64 Tonbänder mit Aufnahmen von psychatrischen Behaldlungsgesprächen aus den Jahren 1958 - 1961 zur Sprechausdrucksforschung
Text zur Installation: „Seit wann sind Sie denn schon in diesem Zustand?“:„Lose
Enden“Aufzeichnungen
von Gesprächen mit PatientInnen aus der Psychiatrie werden als dasgezeigt was sie materiell sind: Tonbänder der Jahre 1958-61, in einer Reihe, die endlossein könnte, angeordnet. Gesprochene
Zustände von Verzweiflung, Stillstand, underlebter Ausweglosigkeit, archiviert und auf Rollen verdichtet, kommen in Bewegung.Lose Enden hauchdünner Bädern wehen, wabern und flattern in den
Luftzügen, die jedeBewegung eines Körpers im Raum auslöst. Unweigerlich, unabsichtlich oder vorsätzlichmacht keinen Unterschied. Von den hörbaren Fragen der Stimme des Psychiatersangestossen -
oder nur begleitet.An Stelle der Antworten sind Pausen zu vernehmen, die die Identität der PatientInnenverdeckt, und den Raum der Antwort freigibt. Aufgehoben ist für einen Moment dieTrennung
zwischen betrachtender und anonymer belasteter Einzelperson. Was einsortiertwar, zeigt sich als unabgeschlossen, neu. Die wehenden Streifen als Öffnung ohneLösung.Eine Auseinandersetzung der
Künstlerin mit dem Vermächtnis des eigenen Vaters ist esbestimmt. Denn es ist seine Stimme, die die fragmentierten Fragen auf der Toneinspielungstellt. Aufnahmen seiner unvollendete
Forschungsarbeit zum Thema „Sprechausdruckbei psychisch Kranken“. Die Bänder sind Teil der Hinterlassenschaften seines Lebens alsPsychiater. Aber das muss man nicht unbedingt
wissen.
Brigitte Schlögel, Szenenbildnerin